Stahl-Wiki

Umfassendes Wissen über Stahl und Edelstahl – von Grundlagen bis zur Praxis

Was ist Stahl und Edelstahl? – Grundlagen

Stahl ist eine Legierung aus Eisen und Kohlenstoff, wobei der Kohlenstoffanteil zwischen 0,1% und 2,1% liegt. Diese einfache Zusammensetzung ermöglicht unzählige Variationen mit völlig unterschiedlichen Eigenschaften.

Definition von Stahl

Stahl wird seit Jahrhunderten verwendet und ist bis heute einer der wichtigsten Werkstoffe der Zivilisation. Die Zugabe von weiteren Legierungselementen wie Chrom, Nickel, Molybdän oder Vanadium führt zu speziellen Stahleigenschaften wie erhöhter Korrosionsbeständigkeit, Verschleißfestigkeit oder Hitzebeständigkeit.

Edelstahl (Rostfreier Stahl)

Edelstahl, auch als rostfreier Stahl oder "Inox" bekannt, ist eine Stahllegierung mit mindestens 10,5% Chrom. Dieses Chrom bildet auf der Oberfläche eine ultradünne, unsichtbare passive Oxidschicht, die das Material vor Korrosion und Rostbildung schützt und sich bei Beschädigung selbst regeneriert.

Stahl vs. Eisen

Reines Eisen ist weich und spröde. Stahl bietet durch Kohlenstoffzugabe optimale Festigkeit, Zähigkeit und Verarbeitbarkeit.

Warum Edelstahl?

Korrosionsschutz, Hygiene, Langlebigkeit, Ästhetik und 100% Recyclingfähigkeit.

Stahl & Edelstahl – Quick Facts

Chromgehalt Edelstahl ≥ 10,5%
Kohlenstoff in Stahl 0,1–2,1%
Schmelzpunkt ~1.400 °C
Dichte 7,85 g/cm³
Weltproduktion/Jahr 1,9 Mrd. t

Meistgenutzte Sorten

304 (1.4301) 316 (1.4401) 430 (1.4016) 2205 (1.4462)

Wichtigste Stahl-Eigenschaften

Korrosionsbeständigkeit

Widerstand gegen Rost und chemische Angriffe durch Chromoxidschicht

Festigkeit

Zugfestigkeit 500–1200 MPa, hervorragende Tragfähigkeit

Hitzebeständigkeit

Einsetzbar von -50°C bis +1000°C, je nach Legierung

Verarbeitbarkeit

Ausgezeichnet schweißbar, umformbar und bearbeitbar

Mechanische & physikalische Eigenschaften

Eigenschaft Wert Einheit
Dichte7.750 – 7.850kg/m³
Schmelzpunkt1.370 – 1.540°C
Zugfestigkeit (Rₘ)500 – 1.200MPa
Streckgrenze (Rₚ₀,₂)200 – 900MPa
Elastizitätsmodul190 – 200GPa

Besondere Eigenschaften

  • Nicht magnetisch: Austenitische Sorten (304, 316)
  • Selbstpassivierend: Chromoxidschicht regeneriert sich
  • Lebensmittelecht: Hygienisch, geschmacksneutral
  • 100% recyclebar: Ohne Qualitätsverlust

Herstellung von Stahl und Edelstahl – Zwei Wege, ein Ziel

Stahl ist nicht gleich Stahl. Die Art der Herstellung bestimmt nicht nur die CO₂-Bilanz, sondern auch Reinheit, Legierbarkeit und spätere Einsatzmöglichkeiten.

1

Primärerzeugung

Hochofen + Sauerstoffkonverter

Die klassische Route. Ausgangsstoffe sind Eisenerz, Kokskohle und Kalkstein. Der Hochofen reduziert das Erz mit Kohlenmonoxid zu Roheisen – ein Prozess bei bis zu 1.700 °C. Das flüssige Roheisen (mit 4–4,5 % Kohlenstoff) wird dann im Konverter durch Sauerstoffblasen zu Stahl gefrischt .

Anteil in Deutschland: ca. 70 %

2

Sekundärerzeugung

Elektrolichtbogenofen (ELO)

Hier wird Stahlschrott (oder Eisenschwamm) mit elektrischer Energie über einen Lichtbogen eingeschmolzen. Kein Koks, kein Roheisen. Die enorme Hitze des Lichtbogens (über 3.000 °C) schmilzt den Schrott innerhalb weniger Stunden zu flüssigem Rohstahl .

Moderne Elektroöfen arbeiten mit Spülgasen (Argon, Stickstoff) durch Bodendüsen, um die Schmelze zu durchmischen und die Temperatur zu homogenisieren – das spart Energie und erhöht die Qualität.

Anteil in Deutschland: ca. 30 %

🌱

Die dritte Route: Direktreduktion – klimaneutraler Stahl

Neben Hochofen und Elektroofen etabliert sich die Direktreduktion (DRI – Direct Reduced Iron). Eisenerz wird im festen Zustand mit Erdgas (oder perspektivisch reinem Wasserstoff) reduziert. Entsteht Eisenschwamm, der im Elektrolichtbogenofen eingeschmolzen wird .

Vorteil: Reduktionsgas statt Koks. Wird der Wasserstoff mit Grünstrom erzeugt, ist nahezu CO₂-freie Stahlproduktion möglich.

📍 Wird in Deutschland bereits in Hamburg praktiziert (ArcelorMittal).

Edelstahl-Herstellung: Chrom erhalten, Kohlenstoff entfernen

Edelstahl (nichtrostender Stahl) stellt die Stahlwerke vor ein Dilemma: Chrom oxidiert schneller als Kohlenstoff. Beim normalen Frischen würde zuerst das wertvolle Chrom verbrennen. Die Lösung sind Spezialverfahren.

🔹 AOD (Argon-Oxygen Decarburization)

Das Standardverfahren für Edelstahl seit den 1970ern. In einem speziellen Konverter wird ein Argon-Sauerstoff-Gemisch durch Bodendüsen eingeblasen.

Physikalisches Prinzip: Argon verdünnt das entstehende Kohlenmonoxid (CO) und senkt dessen Partialdruck. Dadurch verschiebt sich das Gleichgewicht: Kohlenstoff verbrennt, Chrom bleibt in der Schmelze.

Ergebnis: Kohlenstoffgehalte unter 0,03 % möglich, Chromverluste minimiert.

🔹 VOD (Vacuum Oxygen Decarburization)

Die Hochpräzisions-Methode. Unter Vakuum wird der Druck so weit abgesenkt, dass Kohlenstoff auch ohne hohe Temperaturen oxidiert – ideal für extrem kohlenstoffarme Edelstähle (z. B. 316L).

Vorteile: Höhere Reinheit, bessere Entschwefelung, geringere Stickstoffgehalte. Oft als Triplex-Route (EAF + AOD + VOD) für höchste Ansprüche .

Typische Anwendung: Medizintechnik, chemische Industrie, Offshore.

⚙️

Das Chrom-Problem – und seine Lösung

Beim Frischen von Edelstahl geht üblicherweise Chrom in die Schlacke über. Die Schlacke wird dadurch zäh und schwer verarbeitbar. In modernen Edelstahlwerken wird daher nach dem Sauerstoffblasen eine Reduktionsphase eingeschoben: Ferrosilizium oder Aluminium reduzieren das Chromoxid wieder zu metallischem Chrom .

„Die durch die Elektroden zugeführte Energie bringt die Schlacke zum sofortigen Reagieren“ – Patent EP1481100B1 .

Vom Rohstahl zum Halbzeug: Sekundärmetallurgie und Gießen

1. Sekundärmetallurgie

Nach dem Konverter oder Elektroofen folgt die Pfannenbehandlung. Hier wird der Sthl endgültig auf die gewünschte Analyse gebracht:

  • Legieren: Zugabe von Chrom, Nickel, Molybdän
  • Entschwefeln: Für höhere Zähigkeit
  • Vakuumentgasung: Entfernt Wasserstoff (Gefahr der Flockenbildung)

2. Stranggießen

Heute das dominierende Verfahren ( >95 %). Der flüssige Stahl wird in eine wassergekühlte Kokille gegossen, erstarrt von außen nach innen und wird als endloses Strang abgezogen .

✅ Vorteile: Kontinuierlich, hohe Ausbringung, gleichmäßige Qualität.

3. Umformen

Die erstarten Brammen, Knüppel oder Vorblöcke werden durch Warmwalzen ( >1.100 °C) oder Kaltwalzen in ihre endgültige Form gebracht .

→ Warmband, Feinblech, Draht, Träger.

🚀 Ausblick: Hybrid-Routen und CO₂-reduzierter Stahl

Die Stahlindustrie ist im Umbruch. Neue Hybrid-Prozesse kombinieren Hochofen und Elektroofen, um den Schrotteinsatz zu erhöhen und CO₂ zu senken. Hyundai Steel produziert seit Februar 2026 kommerziell kohlenstoffreduzierte Grobbleche in einem BF-EAF-Verbund .

Weitere Entwicklungen:

  • Wasserstoff-Direktreduktion: Erz + H₂ = Eisen + H₂O (statt CO₂)
  • Carbon Capture: Abscheidung und Nutzung von Hochofengas
  • Verbesserte Spülgastechnik: Höhere Effizienz im EAF durch optimierte Bodendüsen

🔍 Wussten Sie?

In Deutschland enthielt der produzierte Rohstahl 2018 im Schnitt 43,4 % Schrott. Bei der Primärroute sind bis zu 25 % Schrottzusatz möglich, beim Elektrostahlwerk nahezu 100 % .

Verfahren im Vergleich

Verfahren Einsatzstoffe Energiequelle CO₂-Intensität Typische Produkte
Hochofen + Konverter Eisenerz, Koks, Kalk Koks, Kohle Hoch Flachstahl, Grobblech
Elektrolichtbogenofen Stahlschrott, DRI elektrischer Strom Mittel bis niedrig* Langstahl, Edelstahl, Sonderstähle
AOD Edelstahl-Vorläufer Argon + O₂ (exotherm) Mittel Edelstahl 304, 316
VOD Edelstahl aus EAF/AOD Vakuum + O₂ Mittel 316L, 904L, Super-Duplex
DRI + EAF Eisenerz, Erdgas/H₂ Erdgas, Strom Niedrig (potenziell null) Hochreiner Stahl, Automotive

* abhängig vom Strommix

Für die Praxis bedeutet das:

Ob ein Stahl aus dem Hochofen, dem Elektroofen oder einer Direktreduktionsanlage stammt, ist am fertigen Produkt nicht erkennbar. Die Wahl des Herstellungsweges beeinflusst aber Verfügbarkeit, Preis und vor allem die CO₂-Bilanz. Für technische Anwendungen sind heute alle Routen gleichwertig – die Zukunft gehört dem grünen Stahl.

Die wichtigsten Edelstahlsorten

Von Standard bis Hochleistung – die richtige Wahl für jede Anwendung.

304 / 1.4301

Austenitischer Standard
Zusammensetzung: 18% Cr, 8% Ni
Eigenschaften: Universell, gute Korrosionsbeständigkeit
Anwendungen: Küchen, Architektur, Lebensmittel
Die weltweit meistverwendete Edelstahlsorte. Ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis.

316 / 1.4401

Marine Grade
Zusammensetzung: 18% Cr, 10% Ni, 2-3% Mo
Eigenschaften: Hervorragende Chloridbeständigkeit
Anwendungen: Schiffsbau, Chemie, Pharma
Molybdänzusatz macht diesen Stahl ideal für salzhaltige und aggressive Umgebungen.

316L / 1.4404

Low Carbon
Zusammensetzung: 18% Cr, 10% Ni, 2-3% Mo, C <0,03%
Eigenschaften: Bessere Schweißbarkeit, keine Karbidausscheidung
Anwendungen: Medizintechnik, Pharma, Schweißkonstruktionen
Reduzierter Kohlenstoffgehalt verhindert Sensibilisierung beim Schweißen.

430 / 1.4016

Ferritisch
Zusammensetzung: 17% Cr
Eigenschaften: Magnetisch, kostengünstig, gute Umformbarkeit
Anwendungen: Haushaltsgeräte, Innenausbau
Wirtschaftliche Alternative zu 304 für weniger anspruchsvolle Innenanwendungen.

2205 / 1.4462

Duplex
Zusammensetzung: 22% Cr, 5% Ni, 3% Mo
Eigenschaften: Doppelte Festigkeit, exzellente Korrosionsbeständigkeit
Anwendungen: Offshore, Chemie, Papierindustrie
Kombiniert die Vorteile von austenitischen und ferritischen Stählen.

410 / 1.4006

Martensitisch
Zusammensetzung: 12% Cr
Eigenschaften: Härtbar, verschleißfest
Anwendungen: Besteck, Turbinenschaufeln, Ventile
Durch Wärmebehandlung auf bis zu 50 HRC härtbar.

Übersicht: Eigenschaften & Einsatzgebiete

Werkstoff-Nr. AISI Gefüge Cr (%) Ni (%) Mo (%) Besonderheit
1.4301304Austenit188-Allzweck-Edelstahl
1.4401316Austenit17112,2Säurebeständig
1.4404316LAustenit17112,2Schweißgeeignet (kohlenstoffarm)
1.4016430Ferrit16--Magnetisch, günstig
1.44622205Duplex225,53Hohe Festigkeit
1.4006410Martensit12--Härtbar

Biegen von Stahl und Edelstahl – Umformtechnik im Vergleich

Biegen ist eines der wirtschaftlichsten Umformverfahren. Doch Stahl und Edelstahl verhalten sich grundlegend anders unter Druck.

1 Stahl (Kohlenstoffstahl)

Der Allrounder: Stahl mit niedrigem Kohlenstoffgehalt (Weichstahl) lässt sich hervorragend kalt verformen. Er ist duktil, nachgiebig und ideal für Biegeanwendungen im Bau- und Maschinenbau .

  • Elastizitätsmodul: ca. 210 GPa – sehr steif, geringe Rückfederung
  • Biegeradius: Auch enge Radien möglich (R = t, bei Weichstahl)
  • Kaltverfestigung: Gering – gleichmäßiges Biegeverhalten

2 Edelstahl (z. B. 304, 316)

Der Anspruchsvolle: Edelstahl hat eine höhere Streckgrenze und neigt zur Kaltverfestigung. Er ist flexibler, aber auch kraftzehrender .

  • Elastizitätsmodul: ca. 190–200 GPa – etwas flexibler, mehr Rückfederung
  • Biegeradius: Größer als bei Stahl (R ≥ 2t), sonst Rissgefahr
  • Kaltverfestigung: Sehr stark – wird beim Biegen zunehmend härter

Das größte Problem beim Edelstahl-Biegen: Rückfederung

Edelstahl hat im Vergleich zu Baustahl eine höhere Rückfederungstendenz (Springback). Das bedeutet: Das Material will nach dem Biegen in seine ursprüngliche Form zurück. Die Lösung: Überbiegen oder präzise CNC-Steuerung .

🔧 Praxis-Tipp: Bei Edelstahl 304 muss der Biegewinkel bis zu 3–5° größer gewählt werden als beim gewünschten Endwinkel.

Gängige Biegeverfahren für Stahl und Edelstahl

🔹 Drehziehbiegen

Präzisionsverfahren für Rohre und Profile. Das Werkstück wird um einen Biegedorn gezogen.

Ideal für: Edelstahl-Rohre, Handläufe, Rahmen

🔹 Rollbiegen

Drei Rollen formen das Material schrittweise – ideal für große Radien.

Ideal für: Ringe, Bogen, Architektur-Elemente

🔹 Abkanten (Gesenkbiegen)

Blech wird zwischen Ober- und Unterwerkzeug gepresst.

Ideal für: Gehäuse, Schaltschränke, Verkleidungen

🛠️

Werkzeug-Anforderung bei Edelstahl

Aufgrund der Kaltverfestigung und Härte von Edelstahl (besonders 304) benötigen Biegewerkzeuge eine Mindesthärte von 60 HRC. Werkzeugstahl muss wärmebehandelt sein, die Oberflächengüte sollte eine Größenordnung höher liegen als bei Werkzeugen für Baustahl .

Bohren von Stahl und Edelstahl – Spanende Bearbeitung

Bohren ist das häufigste Zerspanungsverfahren. Doch Edelstahl stellt höchste Ansprüche an Bohrer, Drehzahl und Kühlung.

Für Baustahl & Weichstahl

HSS-Bohrer (High Speed Steel) sind völlig ausreichend. Spitzenwinkel 118°.

  • Günstig, universell
  • Drehzahl: 1.600–550 U/min (je nach Ø)
  • Bohröl empfohlen, aber nicht zwingend

Für Edelstahl (V2A, V4A)

HSS-Co-Bohrer (Kobalt-Legierung, 5–8%) oder Vollhartmetall. Spitzenwinkel 135° .

  • Höhere Härte, aber spröder
  • Drehzahl: 800–230 U/min – viel langsamer!
  • Zwingend: Schneidöl oder Bohröl!

🔥 Die größte Gefahr beim Edelstahl-Bohren: Überhitzung

Edelstahl hat eine sehr geringe Wärmeleitfähigkeit. Die Wärme bleibt im Bohrloch – und zerstört den Bohrer. Einmal blau angelaufen = unbrauchbar .

❌ Kein Wasser (Rost!) ✅ Schneidöl / Bohröl ✅ Niedrige Drehzahl ✅ Pausen einlegen

📌 Edelstahl richtig bohren – Schritt für Schritt

1

Körnen

Unbedingt an Körnen! Edelstahl ist zäh – der Bohrer wandert sonst.

2

Vorbohren

Bei Ø > 6 mm: Mit 3–4 mm vorbohren. Reduziert Wärme und Kraft .

3

Drehzahl

Niedrig! 8 mm Bohrer = ca. 550 U/min (Stahl) vs. 250 U/min (Edelstahl) .

4

Kühlung

Bohröl, nicht Wasser! Chlorhaltiges Schneidöl für Edelstahl ideal.

🧩 Dünne Bleche (< 2 mm)

Blech zwischen zwei Holzbretter einspannen! Sonst reißt es beim Durchstoß und der Bohrer verkantet .

Tipp: Weniger Grat, saubereres Ergebnis.

🔄 Große Löcher (> 12 mm)

Nicht mit großen Spiralbohrern kämpfen! Stufenbohrer (HSS-Co, TiN-beschichtet) sind ideal für Edelstahl bis 4 mm Stärke .

Vorteil: Kein Vorbohren, gratarm, konzentrisch.

⚠️

Sonderfall: Gehärteter Stahl / Werkzeugstahl

Hier helfen keine HSS-Bohrer mehr. Vollhartmetallbohrer (VHM) oder umgeschliffene Steinbohrer mit Hartmetallplatte sind notwendig. Alternativ: Funkenerosion (Senkerodieren) .

Vergleich: Bohren in Stahl vs. Edelstahl

Kriterium Baustahl / Weichstahl Edelstahl (V2A, V4A)
Bohrer-TypHSS (118°)HSS-Co / VHM (135°)
Drehzahl (8 mm)ca. 1.600–1.000 U/minca. 550–250 U/min
KühlungEmpfohlenZwingend erforderlich
VorbohrenOptionalEmpfohlen ab 6 mm
BohrerstandzeitHochGering (bei Fehlern sofort Schrott)

Schweißen von Edelstahl

Professionelle Verfahren und bewährte Techniken für hochwertige Schweißnähte.

WIG (141)

Wolfram-Inertgas – Das Qualitätsverfahren für Edelstahl.

  • Höchste Nahtqualität, spritzerfrei
  • Ideal für dünne Bleche & Sichtnähte
  • Gute Wärmekontrolle
  • Langsamer, erfordert Geschick

MIG (131)

Metall-Inertgas – Hohe Produktivität.

  • Hohe Abschmelzleistung
  • Für dickere Materialien ab 3 mm
  • Spritzerbildung möglich
  • Geringere Nahtoptik

E-Hand (111)

Elektroden-Schweißen – Für Montage und Reparatur.

  • Flexibel, auch windanfällig
  • Kein separates Schutzgas
  • Schlacke entfernen nötig
  • Nicht für dünnwandig

Wichtige Schweißtipps für Edelstahl

1 Saubere Oberfläche: Fette, Öle und Oxide vor dem Schweißen restlos entfernen
2 Schutzgas rein: Argon 4.6/4.8, max. 2% CO₂ bei MIG
3 Wärmekontrolle: Zwischenlagentemperatur max. 200°C
4 Wurzelschutz: Formiergas an der Wurzelseite – unverzichtbar
5 Nachbehandlung: Beizen oder Elektropolieren für Korrosionsbeständigkeit
6 Trennung: Separate Werkzeuge für Edelstahl, keine Eisenpartikel

Typische Schweißfehler & Lösungen

Anlauffarben (blau, braun)

Ursache: Zu wenig Schutzgas, fehlendes Formiergas

Lösung: Wurzelseite spülen, Nachbeizen

Heißrisse

Ursache: Falscher Zusatzwerkstoff

Lösung: 316L mit 316L verschweißen, Delta-Ferrit beachten

Karbidausscheidung

Ursache: Zu lange in Wärmezone

Lösung: 316L oder stabilisierte Sorten verwenden

Rost nach dem Schweißen

Ursache: Passivschicht zerstört, Eisenverschleppung

Lösung: Beizen/Passivieren

Anwendungsbereiche von Edelstahl

Vielseitig einsetzbar – von der Lebensmittelindustrie bis zur Luft- und Raumfahrt.

Lebensmittelindustrie

  • Förderanlagen & Prozessbehälter
  • Lagertanks & Rohrleitungen
  • Arbeitsflächen
  • Hygienic Design (EHEDG)

Pharma & Medizin

  • Chirurgische Instrumente
  • Implantate (316L)
  • Reinraumanlagen
  • Sterilisierbehälter

Architektur & Design

  • Fassaden, Aufzüge
  • Geländer, Treppen
  • Türen, Beschläge
  • Kunst am Bau

Marine & Offshore

  • Schiffskomponenten
  • Offshore-Plattformen
  • Meerwasserentsalzung
  • Hafenausrüstung

Chemische Industrie

  • Reaktionsbehälter
  • Rohrleitungssysteme
  • Wärmetauscher
  • Pumpen & Ventile

Energietechnik

  • Solarkollektoren
  • Biogasanlagen
  • Kraftwerkskomponenten
  • Windkraft

Häufige Probleme mit Edelstahl & Lösungen

Rostflecken auf Edelstahl

Ursache: Eisenpartikel von Normalstahl oder Werkzeugen

Lösung: Mit Edelstahlreiniger oder Passivierungspaste behandeln

Anlauffarben beim Schweißen

Ursache: Oxidation, fehlendes Formiergas

Lösung: Formiergas, Beizen oder Glasperlenstrahlen

Lochfraß (Pitting)

Ursache: Chloride (Salzwasser, Reiniger)

Lösung: 316L mit Molybdän verwenden, regelmäßig reinigen

Spannungsrisskorrosion

Ursache: Spannung + Temperatur + Chloride

Lösung: Duplex-Stähle (2205), spannungsarm glühen

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen Stahl und Edelstahl? +
Kann Edelstahl rosten? +
Welche Edelstahlsorte ist für Meerwasser geeignet? +
Was ist Passivierung und warum ist sie wichtig? +
Wie reinigt man Edelstahl richtig? +

Edelstahl in der Praxis

Mikroskopische Aufnahme der Austenit-Struktur von Edelstahl
Gefügeaufnahme: Austenitischer Edelstahl 304 (1.4301)
Industrielle Fertigung von Edelstahl
Edelstahl-Fertigung: Vom Coil zum Präzisionsprodukt

Sie haben Fragen zur Auswahl oder Verarbeitung von Edelstahl?

Unsere Fachberatung hilft Ihnen gerne weiter – persönlich und praxisnah.

Kontakt aufnehmen

Weiterführende Themen